Mittwoch, 7. Juni 2017

Zukunftsperspektiven




In der nahen Zukunft werden die meisten Fertigungsprozesse automatisiert sein und das Leben der Menschen sich in urbanen Zentren konzentrieren. Diese Perspektive bietet sehr viele Möglichkeiten für Menschen die unabhängig und frei sein wollen, wenn sie gefragte Fähigkeiten erlernen, oder Strukturen dafür aufbauen können.



Maschinisierung
Die meisten Arbeiten in der industriellen Fertigung werden bereits von Robotern erledigt und dieser Bereich wird sich demnächst ausweiten auf Agrarkultur, wo Ernteroboter und In-vitro-Fleisch nicht nur die Lebensmittelpreise fallen lassen können, sondern damit auch die subventionierte Kulturlobby der Milchbauern etc. beenden. Künstliche Intelligenz erleichtert Verwaltungs- und Behördenapparate um Papierverschmutzer mit Pensionsansprüchen.
Dafür werden Heimfertigungsgeräte wie 3D Drucker und Atomically Precise Manufacturing Anlagen Produktion dezentralisieren oder zumindest die lokalen Gewerbelücken ersetzen, welche Handwerksbetriebe und Einzelhandel hinterlassen haben.



Menschenproduktion
http://www.sciencealert.com/researchers-have-successfully-grown-premature-lambs-in-an-artificial-womb

Forschern gelingt es per 3D Drucker Eizellen herzustellen und künstliche Gebärmuttern können erfolgreich frühgeborene oder entnommene Lamföten heranzüchten. Das bedeutet die Produktion von Designerbabies welche nicht länger von Interessenpolitik und der neurotischen Natur des weiblichen Geschlechts ausgebremst werden kann und den Konkurrenzdruck auf dem Vermehrungsmarkt erhöht.


Veränderung des Stadtbildes
Wie ich in der Vergangenheit bereits beschrieben habe fallen durch Heimarbeit die Nachfragen nach Büroraum weg und durch den Internethandel die Flächen für Einzelhandel und der dazugehörige Kundenverkehr, weshalb diese Immobilien entweder verwaisen und vergammeln, oder umgenutzt werden müssen. Die Stadt als kommerzieller Mittelpunkt verliert damit an Bedeutung und was oft als Verödung beschrieben wird ist die Rücknutzung der urbanen Landschaft, genau so wie die ländlichen Gemeinden zwangsläufig ihr Erscheinungsbild verändern werden, wenn das Dorf als Organisationsplattform für Agrarkulturgemeinschaften nicht länger benötigt wird.


Gefragte Fähigkeiten
Was in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt gefragt werden wird sind MINT Fächer bzw. Arbeitskräfte die gleich mehrere dieser Fähigkeiten kombinieren können. Das heißt ein Chemieingenieur der gleichzeitig eine Programmiersprache beherrscht wird das Equivalent dazu sein, was heute ein guter Handwerker ist. Nicht schlecht, doch auch nichts allzu besonderes. Es ist auch möglich das durch die Verbreitung von Fähigkeiten für Coding Unternehmen ihre eigenen Basis Betriebsprogramme mit Office erstellen werden und sich nicht länger abhängig machen von Windows.


Modernisierungsverlierer
Es gibt zwei Arten von Momente in der Geschichte wenn Klassen von Zurückgebliebenen bzw. Nutzlosen entstehen.
Die erste Art ist die wenn eine Staatsstruktur eingewachsen ist und die kulturelle Substanz für ihren Selbsterhalt soweit aufgefressen hat, dass ihre Mittelklasse keine Zukunft mehr in Leistung und Schaffung sieht und ihr Fokus lediglich auf Substanzerhalt liegt, weswegen auch der Staat über keine Ressourcen mehr verfügt die er umverteilen kann. Dieser Rückzug aus der Produktion lässt die Leute die auf Arbeitsplätze angewiesen sind ebenfalls zurück und sorgt dabei gleichzeitg für mehr Nachfrage an staatlichen Leistungen.
For this evil grew upon us rapidly, and without attracting attention, by our men becoming perverted to a passion for show and money and the pleasures of an idle life, and accordingly either not marrying at all, or, if they did marry, refusing to rear the children that were born, or, at most one or two out of a great number, for the sake of leaving them well off or bringing them up in extravagant luxury.
- Polybius

Die zweite Art ist die technologischer oder produktionsorganisatorischer Neuerungen, welche  weniger manuelle Arbeit verlangen als vorher, oder zumindest andersartige manuelle Arbeit. Die erste Art dieser Neuerung war im antiken Rom die Vertreibung kleiner Landbesitzer durch die mit Sklavenarbeit bewirtschafteten Großfarmen, weshalb diese nun landlosen Bauern in die Stadt strömten und dort die zahl der urbanen Armen erhöhten, die mehr Sozialleistungen des Staates notwendig machten. Später in der Geschichte wurden dann Weber ersetzt durch Webstühle und die Konfrontation dieser Leute mit der eigenen Nutzlosigkeit brachte politische und technologiefeindliche Bewegungen wie die Ludditen hervor.

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
   Wir weben, wir weben!
- Heinrich Heine, die schlesischen Weber

Verglichen damit hatte das antike Rom eine relativ geschickte Sozialpolitik diesen Leute durch Getreideverteilungen im Forum und Unterhaltung ein Schweigegeld zu zahlen. Durch das Imperium und die Sklaverei war es billig diese Leute zu füttern und zu unterhalten. Diese Dinge sind heute noch billiger und die Perspektive der Modernisierungsverlierer ist es, dass sie in Zukunft ihre restliche Zeit anstatt mit Steineschmeissen damit verbringen Streaming und Sozialhilfe zu konsumieren. Die Alternative wäre diese Leute in innerländischen Konflikten zu verbrennen, wofür bereits weitere Modernisierungsverlierer aus der Dritten Welt in die Länder Westeuropas gebracht wurden, die keine verwertbaren Fähigkeiten mitbringen für eine Gesellschaft wo Kinder mit Computern aufgewachsen sind, doch erstklassige Zielscheiben mit hohem Aggressionspotential darstellen. Es sieht allerdings auch so aus, dass mittellose Plebs die bereits jetzt weder Handlungsfähigkeit noch Ressourcen haben um Ärger zu machen auch in Zukunft keinen Ärger machen können, wenn die Infrastruktur die sie angreifen könnten noch billiger aufrecht zu erhalten ist.


Perspektiven
Da wir am Ende von etwas leben wäre es ratsam, dass sich Strukturen an den Modellen orientieren, die in der Vergangenheit erfolgreich waren wenn etwas zu Ende ging. Als Rom zusammengebrochen ist haben Führer unter den Barbaren römische Landhäuser von den dortigen Besitzern oft aufgekauft und befestigt, womit man zwar nicht die römische Armee aufhalten konnte wäre sie gekommen, doch zumindest eine Situation geschaffen hat in welcher der Aufwand nicht die Ausbeute für die Regierung wert gewesen wäre.

Kleine Strukturen haben sehr gute Chancen in einer Wirtschaft mit dezentraler Manufaktur und Energieversorgung. Wer keine Fähigkeiten hat, der muss für die Zukunft Assets generieren die ihn mit Liquidität versorgen um weiterhin am gesellschaftlichen Leben partizipieren zu können. Politische Macht wird auch nur noch bei denen bleiben, die sie wirklich aufbringen und durch Druck an den Verhandlungstisch zwingen können. In Zukunft werden das Firmen- und Konzernstrukturen sein die eigene Rückzugsräume als Sicherungsraum halten, nicht nur in Form von Gated Communties, sondern in Form ganzer City Blocks welche das moderne Equivalent zur Mottenburg mitten in der urbanen Landschaft sein werden. Es wird eine Flucht aus dem Staat der Produktiven geben, und eine Flucht in den Staat der Leistungsbezieher.
Typische Modernisierungsverlierer deren Arbeitsplätze durch Automatisierung ersetzt werden dagegen werden in Streikdrohungen keine Lobby mehr finden und diese Leute sollten auch keine Lobby haben. Wollt ihr ernsthaft, dass jeder Trottel der sich damit qualifiziert selbstständig zu atmen politische Macht auch nur in Form einer Wählerstimme hält und als Steuerzahler gehör findet, weil er mal 40 Jahre lang monotone Bandarbeit getätigt hat? Wollen wir wirklich dass Menschen die tatsächliche Bildung ablehnen, die Philosophie ablehnen, die Geiseln sind ihrer eigenen zerrütteten Emotionen politische Macht haben? Denn ich will das nicht.




Siehe auch:
Wirtschaftsperspektiven
Plebs
Dedomestikation
Sozialkapital 2 : Junge Menschen
How Civilizations Die: (And Why Islam Is Dying Too)
The Pentagon's New Map: War and Peace in the Twenty-First Century


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