Mittwoch, 10. Mai 2017

Sterben lassen


In letzter Zeit kommt es entweder öfter vor, dass für Unfälle keine Rettungsgassen mehr geöffnet werden und Leute keine erste Hilfe leisten, oder die Medien berichten öfter darüber weil sonst nichts passiert. So oder so ist dies allerdings eine völlig rationale Entwicklung.


Unsere Gesellschaft hatte dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe in Not weil unsere Gesellschaft auf Humankapital angewiesen seit ihrem Anbeginn ist und jeder damit quasi einen Wert für die Gesellschaft darstellt. Dazu wurde durch homogenisierte Kultur ein Standard und damit ein Mindestvertrauen geschaffen, was heißt dass ich davon ausgehen kann, dass derjenige dem ich helfe den gleichen Regeln folgt wie ich, ich ihm dieses Mindestvertrauen entgegen bringen kann und für mich damit kein Risiko besteht.

Dieser Umstand existiert heute nicht mehr.

Heute sind wir atomisiert anstatt individualisiert und ich kann nicht mehr davon ausgehen, dass derjenige dem ich helfe mir ähnlich ist und es daher in meinem Interesse ist, dass er Hilfe bekommt. Heute muss ich davon ausgehen, dass derjenige dem ich helfe am Ende noch gegen mich arbeitet, einfach dadurch dass er sein eigenes kleines Leben lebt wie bisher. Ich sehe also keinen Mitmenschen in dem Unfallfahrzeug, ich sehe einen Konkurrenten. Ich sehe entweder einen Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt, oder einen Ideologischen Konkurrenten den ich schon an Dingen wie "Atomkraft - Nein Danke" Aufklebern am Fahrzeug erkenne.
Ich weiß nicht ob diese Leute die Rettungsgassen blockieren dies bewusst tun, oder ob sie eher Teil eines Kollektivs sind, dass sich verhält wie ein Individuum. Denn diese Leute sterben zu lassen ist in einer atomisierten Konkurrenzgesellschaft eine völlig rationale Entscheidung.

Wir werden damit zu einer Gesellschaft wie die disfunktionalen Gesellschaften aus denen landfremde Versorgungsflüchtlinge zu uns kommen. In diesen Gesellschaften existieren keine intakten Institutionen und jede Institution wird nur als Vehikel betrachtet den Stand der eigenen Familie, des eigenen Clans, des eigenen Stammes zu verbessern. Die anderen? Fuck em.




Siehe auch:
Sozialkapital 1 - öffentlicher Raum
Sozialkapital 2 - junge Menschen


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