Montag, 20. Februar 2017

Waffenbau Revisited


Artikel von Post Collapse Member 2L

Waffen sind Werkzeuge. Im Folgenden soll behandelt werden, wann, womit und durch wen es sinnvoll ist, Waffen herzustellen. Wer und zu welchem Zweck in der Vergangenheit Waffen herstellt und die Situation in der westlichen Hemisphäre.


Then he made a sword.






















Allgemeines

Die Herstellung von Waffen in Kleinserie findet aktuell im Westen hauptsächlich durch Low Level Kleinkriminelle sowie Hobbyisten statt und das Ergebnis ist meistens mit den Wachsmalbildern eines 6 Jährigen vergleichbar. Man erkennt das Auto aber ein Reifen besteht in der Realität nicht aus einem schwarzen Kreis.

Der Einsatzzweck der allermeisten Waffen fällt in die 3 Hauptgruppen: Jagd, Selbstverteidigung und Kampfhandlungen.  Vorneweg zu sagen ist, dass es für die Allermeisten nicht sinnvoll ist für eine der drei Hauptgruppen selber Waffen herzustellen.

Waffen für die Jagd lassen sich mit relativ geringem Aufwand legal beschaffen und auch noch in absehbarer Zukunft werden Grünröcke mit  jagdlichen Mausersystemen durch deutsche Wälder streifen. Waffen zur Selbstverteidigung lassen sich zu einem geringeren Geld und Zeitaufwand illegal beschaffen und nach einer Anwendung sind sie so oder so wieder weg.
 
Im bewaffneten Kampf sind Eigenbauten nur bei Gruppen vorhanden, die sich nichts Besseres leisten können oder aus anderen Gründen nicht auf dem internationalen Markt handeln können. Es handelt sich fast ausschließlich um Notlösungen.


Solltest du darüber fantasieren  selbstgebaute Waffen in naher oder ferner Zukunft  in einem bewaffneten Konflikt oder für Terrorismus einsetzen wollen, so wird es höchstwahrscheinlich schnell zu einem Treffen mit dem Schöpfer der eigenen Wahl kommen.
 
Und wehe es gibt keine hochwertige Go-Pro Footage.


Münsterländer Qualitätserzeugnis

















Obwohl die technologischen und materiellen Möglichkeiten des deutschen Durchschnittsmichels die Möglichkeiten seiner Vorfahren und 95% der aktuellen Erdenbewohner übertreffen, steht das in keinem Verhältnis zum häufig erzielten/erzielbaren Ergebnis. Elektrische Werkzeuge und Maschinen kosten nur noch einen Bruchteil dessen, was unsere Väter bezahlen mussten, aber wie viele Errungenschaften moderner Zivilisation wird nur begrenzt davon Gebrauch gemacht. 

Zum Abschluss des allgemeinen Teils will ich erneut betonen, dass Schusswaffen generell überbewertet werden. Sie sind der ultimative Gleichmacher von Menschen unterschiedlicher Statur, aber haben keine Wunderkräfte wie die heilige Handgranate von Antiochia. Sprengfallen, Mörser, Bomben und Artillerie sind die wahren Schnitter.



Methoden, Maschinen und Material



Pauschal werden fast alle Eigenbauten durch zerspanende Verfahren hergestellt, gelegentlich werden Teile auch gegossen beziehungsweise verschweißt.

Das entscheidende Kriterium  bezüglich der Qualität des Ergebnisses ist der Mensch. Allerdings lassen sich mit besserem Werkzeuge generell bessere Teile fertigen in einem geringeren Zeitaufwand. Dennoch ist es auch möglich funktionierende Waffen mit  Handwerkzeugen zu fertigen, wie man von den Khyberpass-Handwerken und philippinischen Waldwerkstätten beobachten kann.

In jedem Baumarkt Mitteleuropas lässt sich für 500Euro eine recht akzeptable Basis an Werkzeugen zur Metallbearbeitung erwerben. Ausgangspunkt dabei ist eine brauchbare Tischbohrmaschine sowie ein Winkelschleifer mit  unterschiedlichen Bohrern, Senkern, Reibahlen und Scheiben.


Steht mehr Geld und Knowhow zur Verfügung, ist eine kombinierte Bohr/Fräsmaschine sowie eine kleine Drehbank eine gute Erweiterung für einen Hobbyisten. Bernardo-Maschinen haben ein Preis/Leistungsverhältnis, zumindest ist die mögliche Qualität für diesen Zweck akzeptabel.


Nach oben gibt es keine Grenzen.



Geeignete Rohstoffe lassen sich dank dem Internet auch in Kleinstmengen schnell beziehen.
 
Generell ist das Wissen um die geeigneten Werkstoffe ein gutes Selektionskriterium im Sinne Darwins. Eigenbauten stellen ein erheblich höheres Risiko dar, wenn der Erzeuger nicht weiß was er tut oder pfuscht.



Auch ist bei Waffen und deren Herstellung im Allgemeinen ein ausgeprägter Dunning-Kruger-Effekt zu beobachten. Das bedeutet, dass das Gros der Beiträge zum Thema Tiefseetauchen von Beduinen abgegeben wird und dann erst wieder, wenn man sich selbst einen „Expertenstatus“ auf seinem Gebiet zutraut. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.



Beispiele und Fähigkeitslevel

Im Folgenden möchte ich unterschiedlich ausgereifte Eigenbauwaffen vorstellen und die dazugehörigen Fähigkeiten behandeln.


4 Winds shotgun / Zip guns generell



 

  













Tausendfach und in gefühlt jedem Survivalmanual beschrieben stellen sie die unterste Stufe an Eigenbauten dar. Im Prinzip ist die 4 Winds Shotgun nur ein ¾“ Heizungsrohr in einem kürzeren, zölligen Heizungsrohr in dessen Endkappe ein „Schlagbolzen“ eingesetzt ist. 

Wenn man sich die Schnürsenkel binden kann, kann man so etwas auch bauen.  Es wird nur eine Bohrmaschine, Feile und eventuell Gewindebohrer benötigt.
Eine weitere Option bieten elekrisch gezündete Vorderladerapperate, welches sich in einem Pepperbox-setup zusammenfassen lassen.


















 

Generell ist es aber nur in absoluten Notsituationen zu empfehlen und steht nur eine Stufe über den Armbrustfantasten, die sich im Krisenfall mit ihrem chinesischen Freizeitgerät...













...schützen wollen.

Für alle anderen gilt: Leveln und dann Schmiedekunst und Waffenkunde hochskillen.

  
  
Sten gun/ Luty Maschinenpistole
















Die nächste Stufe bilden zuschiessende, unverriegelte Masseverschlüsse.  Bekanntestes Beispiel einer kommerziellen Fertigung wäre die Sten, bei den Eigenbauten ist es die Luty  BSP Maschinenpistole. 


Die Luty ist im Allgemeinen so simpel wie nur irgend möglich und extra so konstruiert, dass sie mit herkömmlichen Werkzeugen und Material gebaut werden kann. So ist die Verschlussfeder aus einer Fettpresse und das Magazin wird mittels eines Vierkantprofils improvisiert. Der Nachtteil daran ist die enorme Länge des  einreihigen 30 Schuss Magazins. Mit einem zugekauften doppelreihigen Magazin stellt die Luty MP die brauchbarste funktionierende Low-Tech Alternative dar.


Sie wurde auch von den Handwerkern einer australischen Bikergang in größerer Serie produziert und taucht immer mal wieder auf. Erwähnenswert sei hier auch ein Amerikaner mit dem Nickname „Orions Hammer“ Der für die meisten gängigen Kaliber das Mindestgewicht für einen reinen Masseverschluss ermittelt hat.

Die Luty wurde mit einem glatten Lauf ersonnen und lässt sich so auch zuverlässig schiessen, allerdings erhalten die Geschosse so keine Stabilisierung und überschlagen sich. Einen Lauf ziehen ist jahrhundertealte Technologie und mit etwas Aufwand befriedigend zu bewerkstelligen. Auch sei hier gesagt, dass der Eigenbau eines gut funktionierenden Magazins Masochismus ist und ihr besser damit bedient seid euch 3h ans Andreaskreuz ketten zu lassen.


Metral Maschinenpistole





Wir haben den Sumpf der kruden Eigenbauten verlassen und schwingen uns zu neuen Höhen. Die Metral stellt eine „vereinfachte“ Uzi dar, lässt sich leichter verbergen und ist ausgereift. Die Herstellung verlangt Maschinen, Knowhow und mehr Zeit, das Endprodukt ist  brauchbar und rechtfertigt den Aufwand. 


Ab dieser Stufe seid ihr jedoch als Produzent zu wertvoll um eure Erzeugnisse selbst auf Raids gegen andere Barbarensiedlungen einzusetzen. Analog dazu setzt der IS seine VBIED-Baumeister auch nicht in die eigenen Gefährte, sondern irgendwelches Kanonenfutter.

Die Metral Gun steht stellvertretend für eine Reihe an Eigenbauten, die technisch ausgereift sind und denen man guten Gewissens sein Leben anvertrauen würde.  Darüber findet sich nur eine Verbesserung der Ästhetik / Ergonomie.





















Hier ist der Punkt überschritten an dem aus home-made nur noch hand-made wird.















Produzentin des gezeigten Revolvers ist eine amerikanische Mitvierzigerin. Dieser wurde vollständig von ihr gefertigt, inklusive Lauf ziehen.


Hier auch nochmal als Hinweis an notorische XX-Hasser: Überlegenheit beginnt im Kopf, wenn sie dort auch endet, sollte man im Baumarkt statt der Ständerbohrmaschine einen stabilen Strick erwerben.



Waffen in der eigenen Werkstatt zu produzieren stellt also meistens ein Hobby dar. Selten kommt der kommerzielle Gedanke hinzu, wie bei dem dynamischen Duo das Schreckschusswaffen (PK380) von 9mm PA auf 9mm kurz umgerüstet hat.


http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/erneut-maenner-wegen-illegalen-waffenhandels-im-darknet-vor-gericht-13667893.html



Der Umbau an sich war relativ unspektakulär, da die Schreckschussvariante sehr stabil und nahe an ihrem scharfen Vorbild war sowie über einen Stahlschlitten verfügt. Es musste nur der alte Lauf entfernt, etwas Fräserei, der neue Lauf gefertigt, eingesetzt und verstiftet sowie der Magazinschacht bearbeitet werden und ein originales Magazin verwendet werden. 


Wie immer wurden sie zu gierig und fahrlässig und sitzen jetzt für den Traum vom schnellen Geld 5 Jahre hinter schwedischen Gardinen, dafür dass sie halblebige Notlösungen verkauft haben. 


Waffen für eine Fraktion zu produzieren ist nahezu immer absoluter Bullshit und nur zu rechtfertigen, wenn man gleichwertig zu kommerziellen Produkten fertigen kann oder es die gewünschte Lösung nicht am Markt gibt/ man nichts auf dem Markt erwerben kann. Wenn die eigene Gruppe auf Eigenbauten wie die Luty-Mp angewiesen ist, sollte man sich besser anderen Strukturen anschließen. 

Das echte Leben ist nicht wie Fallout, wo man mit genug Klebeband und Metallschrott seine  Schrottwaffe hochmodden kann.






Fazit



Es ist möglich hochwertige Waffen in Eigenregie zu bauen, allerdings liegt das außerhalb der Möglichkeiten der Allermeisten. Auch ist es fast immer als Hobby zu bewerten. Als junger Mensch ist es sinnvoller die Zeit in körperliche Fitness sowie verwertbare Fähigkeiten zu investieren und sich einer bestehenden Fraktion anzuschließen, die die eigenen Werte vertritt. Als alter Mann in die Förderung der Nachfolger und den Aufbau von Strukturen.


 Weiterführende Literatur
è

  • Der junge Mann
  • Alte Krieger
  • Die Reihe Waffen bauen
  • orionshammer.com












Kommentare:

  1. Zieht euch die Hand rein die ihre eigene Gleitcreme produziert.

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  2. Die Munition, die sie für die Waffen vom Khyber-Pass nutzen, ist obligatorisch immer unterladen, weil die Läufe minderwertiger Qualität sind. Zum Terrorismus, Kriminalität, LARPen und ein bisschen Selbstverteidigung reicht es. Damit kann man den Wilden Westen erobern, aber sicher nicht mit Militärmächten konkurrieren.

    Zum Bohren des Laufes empfiehlt sich ein Kanonenbohrer, den man sich selber aus Silberstahl fertigen kann, da Spiralbohrer dazu neigen, ab einer gewissen Tiefe zu stark abzuweichen. Die Oberflächengüte ist auch sehr gering. Mit Kanonenbohrer spart man sich die Reibahlen, die man mindestens bräuchte und die es für Privatleute für Maße wie 7,62 nicht zu kaufen gibt. Sieht auch doof aus, sich sowas zu kaufen ...

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