Dienstag, 23. Dezember 2014

Eine Ortschaft absichern

Wie man einen Sicherheitsperimeter um eine Ortschaft herum aufbaut


Es muss zuerst geklärt werden in welcher Umgebung sich die Ortschaft befindet und ob es nach Größe und Anzahl der Bewohner überhaupt Sinn macht. In Brandenburg sterben die Dörfer aus und die Gemeindeverwaltungen reagieren damit, dass sie aus den Dörfern mit rapide sinkenden Einwohnerzahlen die Post, Sparkassen und alles andere abziehen um es in eine verbleibende Ortschaft zu verlegen, damit diese immerhin weiter bestehen kann. Das ist dann sowas wie das Strategic Hamlet Program, im Kampf gegen den unsichtbaren Gegner Demografie.


Es macht in einer Krisensituation absolut Sinn ungünstig gelegene Ortschaften aufzugeben. Die Kriterien nach denen so ein Zusammenzug passiert richten sich je danach wo Wasser- und Nahrungsquellen liegen, Werkstätten vorhanden sind, Strom, Tierhaltung möglich ist und dergleichen.
Überflüssig zu erwähnen, dass dies für alle absolut freiwillig passieren muss. Wer derartige Vorschläge macht sollte eine gewisse gesellschaftliche Rolle in der Gemeinschaft und Überzeugungskraft haben. Wer vor der Krise in einem Bauwagen gehaust hat und nur als Dorfsäufer bekannt war der allen was von der jüdischen Weltverschwörung erzählen will, der wird in der Gemeinde keine Stimme haben. Die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr, dem Reservistenverein und dergleichen hat ein bestimmtes Gewicht. Bornierte Schützenvereine kann ich aber genauso wenig empfehlen wie Gemeinderäte, die oft nur ein Popularitätswettbewerb sind. Bürgermeister und Pfarrer sind längst keine natürlichen Autoritäten oder Leitfiguren mehr und damit meist nutzlos. Finden sich Ausnahmen so ist das zu begrüßen. Fehlen Vernunft und Initiative, so sollte man schauen dass man sich selbst rettet und den Rest seinem Schicksal überlassen.


Personal
Wie in "Wie man eine Miliz organisiert" Teil 1 und Teil 2 beschrieben sollte brauchbares Personal vorhanden sein, rekrutiert und eingewiesen werden. Das Field Manual 31-16 Counter Insurgency bietet hier ein paar gute Anleitungen über den Umgang mit Fremden die man in die Struktur einbinden muss und wie man ein grundlegendes Training organisiert.
Heute gibt es noch ausgemusterte Militärgüter in großen Mengen billig zu erwerben die für so einen Fall zurückgelegt werden können und später einen hohen Wert haben können. Auch schaffen es hin und wieder Waffensammler und Prepper Waffenlager anzusammeln, die sie sich komplett auf dem Schwarzmarkt gekauft haben. Bei der Herausgabe muss man vorher aber bereits eine gewisse Loyalität einfordern können und die Personen müssen auf die eine oder andere Art in die Gemeinschaft des Ortes eingebunden sein. Es ist wahrscheinlich, dass ländliche Gegenden, Dörfer und Kleinstädte von Flüchtlingen aufgesucht werden, die dort versuchen bei Verwandten unterzukommen.


Die Ortschaft absichern
Der erste Schritt ist hier, wie in Teil 2 beschrieben, die Ortschaft in Zonen einzuteilen. Wenn Ortsteile, wie zu weit abseits liegende Häuser, aufgegeben werden müssen, dann sind diese zu verbarrikadieren und zu verminen (Für die Zeit nach der Krise sind natürlich Pläne von der Verminung aufzuheben). Sind Häuser am Ortsrand nicht bewohnt und weniger attraktiv als mögliche Wohnungen im Ortsinneren, so sind diese die den Verteidigungsring einzubinden.

Ist das Dorf zentral gelegen, voll belegt und es gibt genug Gründe es zu halten, so kann man damit anfangen es zu befestigen.

Befestigungen haben hier, genau wie im Mittelalter eigentlich auch, weniger den Zweck einen Ansturm des Feindes abzuhalten, sondern zu verhindern dass dieser sich einfach reinschleicht. Außerdem können solche Tätigkeiten die Leute beschäftigt halten.


Einfache Hindernisse sollen Gegner abhalten einen Bereich zu passieren, oder sie zumindest verlangsamen. Sie sind nicht dafür gedacht Deckung vor feindlichem Feuer zu bieten. Sie werden in weiter Entfernung verlegt um Gegner von Bereichen, die nicht effektiv unter Abwehrfeuer genommen werden können, auszusperren. Vor Deckung werden sie verlegt um den Gegner auf einer Distanz zu halten von der er aus nichts über diese Sperre hinüberwerfen kann. Direkt vor der eigenen Deckung wie bspw. einer Mauer werden sie verlegt, dass ein Gegner den Bereich auf der anderen Seite nicht selbst als Deckung nutzen kann.


Abatis kommt aus dem französischen und heißt soviel wie "Verhau" oder auch "Abfall". Es ist der Stacheldraht für Arme und lässt sich schnell aus den Ästen und Kronen von Bäume und Disteln aufstellen. In dem unübersichtlichen Gestrüpp können auch Signalmittel und Sprengfallen versteckt werden.

Innerhalb der Ortschaften kann es Sinn machen Mauern zusätzlich zu sichern, indem Glasscherben oder Nägel darauf einbetoniert werden. Sollten einmal Gegner eingedrungen sein in die Ortschaft, so ist dies hauptsächlich um ihre Flucht und Ausweichbewegungen zu kanalisieren.

Je nachdem wie viel Stacheldraht zur Verfügung steht wird dieser verlegt. Für Viehweiden verwendet man heute Elektrozaun und Stacheldraht wird so gut wie nicht mehr verwendet. Findet man noch Handelsüblichen Stacheldraht in kleinen Mengen, so sollte dieser als Stolperdraht verwendet werden. Stolperdrahtstrecken sollten ein paar Meter tief sein und getarnt werden. Eine Sicherung mit Signalmitteln ist auch hier sinnvoll.

Klingen- und NATO-Draht stellt für Banden von Plünderern und Fahrzeuge meist ein unüberwindbares Hindernis dar und kann andere Hindernisse und Barrikaden verstärken. Stacheldraht kann auch unter Strom gesetzt werden.

Zum Verarbeiten müssen aber Dinge wie spezielle Sicherheitshandschuhe, Zange und Klammern vorhanden sein. Man kann Drahtrollen auch in einen Holzrahmen einarbeiten und diesen dann als eine Art "belgisches Tor" verwenden, gerade um Zufahrtswege in den Ort absichern und ein Durchbrechen mit einem Fahrzeug verhindern zu können.


Gräben sind als Barrieren recht ineffektiv und es dauert zu lange welche anzulegen. Frühe Special Forces Camps in Vietnam waren mit Gräben befestigt, welche sich aber später als ein zu schwaches Hindernis herausstellten.

Je nachdem wie viel körperlich überhaupt geeignetes Personal man zur Verfügung hat und es die geografische Lage erlaubt sollte man aber Befestigungen anlegen. Das Sinnvollste wären hier vorgelagerte Feldbefestigungen und Beobachtungsposten die so angelegt sind, damit sie sich gegenseitig unterstützen können.

Ist ein Dorf in Tallage von Anhöhen umgeben, so sollte man diese Höhenlagen absichern. Ist ein Dorf in einer Ebene einfach zu Groß und nicht genug Ressourcen vorhanden um es komplett mit Sperren umgeben zu können, so sollte man an den wichtigsten Stellen Strongpoints errichten. Das Field Manual 21-75 Combat Skills of the Soldier sowie die Anleitung für zivile Baufirmen für die Errichtung militärischer Basen AFH 10-222 können einem hier weiterhelfen, genau so wie das Field Manual 90-10-1 für den Kampf im bebauten Gelände.

Für alle Feldbefestigungen sollten auch Schießkarten entworfen und Ausweichstellungen angelegt werden.

Es empfiehlt sich alle errichteten Kampfstände im Gelände und in Häusern zu tarnen.

Negativbeispiel für einen Kampfstand. Das "Tarnmaterial" bestand lediglich aus abgetrenntem Grünzeug und ist nach wenigen Stunden in der Sonne bereits unbrauchbar geworden. Als Tarnmaterial gibt es militärische 3D Tarnnetze, die zudem auch gegen Wärmebildkameras verblenden können.


Stehen diese nicht (mehr) zur Verfügung, so muss man improvisieren oder mit der natürlichen Vegetation arbeiten. Improvisiert werden Tarnnetze relativ einfach, indem man nicht verrottendes, nicht reflektierendes Material in Netze einfädelt.

Struktur eines frühen Tarnnetzes der Wehrmacht.

In erster Linie wird die Aufgabe solcher Kampfstände das Beobachten ohne gesehen werden sein. Besser organisierte Banden werden selbst Ortschaften observieren, Bewegungsmuster erkennen und irgendwann, wenn sie genug Schwachstellen gefunden haben, einzelne Kampfstände isolieren, aufreiben und dann von dort aus einbrechen. Wichtig ist das Leute bei Wachwechsel beim betreten und verlassen der Stellung nicht auffallen und von einem Gegner gesehen werden können.


Ist genug Personal und Werkzeug vorhanden, so sollte man in Betracht ziehen eine Ortschaft rundum abzusichern. Ein älteres Beispiel für sowas sind Landwehrgräben, die früher als Grenzmarkierungen zwischen Feldern, an Straßen und auch um Ortschaften herum verliefen.

Auf dem syrischen Kriegsschauplatz sieht man um Ortschaften herum oft aufgerichtete Erdwälle, die in erster Linie Splitter und Querschläger abhalten sollen sich in bewohnte Gebiete zu verirren.

Die unerfahrenen nutzen diese Erdwerke dann als Deckung und denken, wenn sie von dort oben schießen würden sie mehr sehen. Man wird aber sehr viel wahrscheinlicher eher selbst gesehen, da sich ein menschlicher Kopf in der Silhouette abhebt. Auf einem Erdwall ist kein guter Platz wo man sein sollte.

Es macht mehr Sinn den Erdwall zu befestigen und Schießscharten dort einzuarbeiten. Es macht auch Sinn diesen Erdwall mit einer Hecke oder anderer dichter Vegetation zu bepflanzen wie frühere Landwehrgräben. Palisaden würden zuviel Zeit und Arbeitskraft in Anspruch nehmen


Speergruben und Punji Fallen sollten mit Vorsicht eingesetzt werden. Wie auch bei Stacheldrahthindernissen macht es keinen Sinn diese in den Nutzflächen anzulegen. Zu weit entfernt könnten sie unnötigen Schaden an ansonsten völlig harmlosen Personen oder Tieren anrichten.

Damit es nicht zu unnötigen Fehden mit dem nächsten Ort kommt sollte man mit Schildern darauf hinweisen, dass der eigene Sicherheitsperimeter Tabu ist und nicht betreten werden sollte.


Was sehr hilfreich sein kann sind Nachtsichtgeräte, womit man es auch in der Nacht mitbekommt, sollte sich jemand durch die Absperrungen schleichen. Die Wache sollte zudem eine Schreckschusswaffe, einen dazugehörigen Schießbecher und Pfeifpatronen haben um Alarm schlagen zu können.


Als Frühwarnsystem können Lichtfallen, Magnesiumfackeln mit Reiszünder und Claymore Minen verwendet werden.


Kommerzielle Claymore Minen verfügen über Zwei Sprengkapseln die auch beide gleichzeitig verkabelt werden können. Die eine Sprengkapsel wird dann ferngezündet per Auslöser, die andere ist mit einem Stolperdraht verbunden. Werden bei selbstgemachten Sprengfallen nur jeweils eine Sprengkapsel eingesetzt, so kann man nur mit einer von beiden Möglichkeiten arbeiten.

Stolperdrähte können aber nicht nur Kontakte freigeben um Sprengkapseln zu zünden, sondern auch einfach um Lichter zu aktivieren und die Stelle erleuchten, an der jemand oder etwas den Stolperdraht ausgelöst hat.

Knallgeräte oder Vorrichtungen wie bspw. den Mini-Sentry Trip Wire Alarm halte ich für wenig Sinnvoll, da ein kurzer lauter Knall einen zwar aufschrecken lässt, man aber dann trotzdem oft nicht sofort weiß wo der Knall herkam. Geräuschfallen können aber bereits mit ein paar leeren Konservendosen gefertigt werden die bspw. in Stacheldrahtverhauen aufgehängt werden. Alternativ bieten sich auch die Glöckchen an welche alte Weiber ihren Katzen um den Hals hängen, damit diese keine Vögel fangen und sie dem alten Weib dann zuhause als Geschenk auf irgendein kitschiges Deckchen legen.



Werde niemals ein Flüchtling!


Siehe auch.:

FM 5-34 
FM 21-75 Combat Skills of the Soldier
FM 31-16
FM 90-10-1
GTA 05-08-001
AFH 10-222
Special Forces Camps in Vietnam - Osprey Verlag - Fortress Serie

Achtung Panzer
Die Claymore Richtmine
Bug-out Location


Kommentare:

  1. Doch was wenn: "Fehlen Vernunft und Initiative, so sollte man schauen dass man sich selbst rettet und den Rest seinem Schicksal überlassen."? Home-defence? Zum Flüchtling soll man ja auch nicht werden.

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    1. Bug-out abgelegen von der Gemeinschaft.

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    2. Möglich, allerdings ist "Abgelegenheit"sicherheitstechnisch immer suboptimal (richtige Einsicht von "ferfal" in "Surviving Argentinia").

      Ich würde in der Gemeinschaft den Zeitpunkt abwarten bis sie eindeutig realisieren, dass sie geschlachtet werden, wenn sie weiter herumtranen.
      Zitat von Churchill in seinen Memoiren, als er das schändliche Ritual des Eaton Abschlussjahrganges 1938 kommentiert, als diese feierlich schworen niemals für Krone und Vaterland in den Krieg zu ziehen:

      "Die meisten von ihnen sind ganz brauchbare Soldaten geworden."

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  2. http://www.liveleak.com/view?i=627_1419436137 ein Beispielvideo ab minute 2:00 wo die Lagersicherung nicht so gut funktioniert hat.

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    1. Jede green zone muss mal gedüngt werden :-]

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  3. Was fällt mir zur Perimetersicherung noch ein?
    1. Hunde
    2.Hunde
    3.....
    Hunde, die Futter nur kontrolliert annehmen, sind ein erstklassiges Frühwarnsystem. Für Schutzzwecke sind Hütehunde Jagdhunden (Vorstehhunden) etwas überlegen.

    Hündinnen sind unbestechlicher und leichter zu führen als Rüden.

    Mehrwert, ausser Alarm:
    Begleitschutz für Kinder
    Jagdkumpel
    Ungezieferbekämpfung oberhalb der Zuständigkeit von Katzen.

    Das Futter/Nutzen Verhältnis ist wie bei Katzen eindeutig positiv

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  4. Ganz gut. Aber ohne Aufklärung läuft gar nix. Vorgezogene Posten, Späher und Spähtrupps...am besten fängt man die Burschen schon weit vor dem Dorf in einem Hinterhalt ab...Klar dazu braucht man ein paar Männers...

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  5. Das hilft aber nur, wenn es keine bisherige Staatsmacht mehr und auch keine Invasionsstaatsmacht gibt. Gegen reguläre Truppen dürfte man so und generell keine Chance haben, da die auch aus der Luft kommen und von dort aus alles vorbereiten und sturmreif machen können, sobald die an die (Rück)Eroberung des ganzen Landes zur (Re)Konsolidierung ihrer Staatsmacht gehen. Kann also nur um die Absicherung in anarchischen Krisenzeiten gegen Plünderer und andere Interessenten gehen, oder???

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