Freitag, 14. November 2014

Die Claymore Richtmine

Aufbau und Eigenbau




Hintergrund

Generell sind Claymore Minen recht kleine, leichte und günstige Richtsprengsätze die man defensiv gegen unfreundliches Personal einsetzt. Entwickelt wurden sie nach den Erfahrungen im Koreakrieg, in dem das US Militär in der Schlacht um Unsan an der chinesischen Grenze von Horden aus tausenden schreienden Schlitzaugen in Massenangriffen überrannt wurde. Von da an musste das US Militär bspw. mit selbst gebauten Flammen Fougassen aus Benzinfässern und Sprengsätzen improvisieren um sich die rote Flut vom Leib zu halten.

Nach diesen Erfahrungen ist die Claymore Richtmine von dem amerikanischen Waffenexperten Norman MacLeod entwickelt worden, die im Prinzip wie eine Schrotflinte funktioniert und durch den Einsatz von hunderten Stahlkugeln alles in der danach ausgerichteten Richtung wegmähen soll. Die Entwicklung wurde maßgeblich beeinflusst durch die deutsche Schützenmine, auch S-Mine oder "Bouncing Betty" genannt, sowie der gemeinsamen Forschung eines deutschen und eines ungarischen Ballistikexperten gegen Ende des zweiten Weltkrieges, bekannt als Misznay-Schardin Effekt. Der Deutsche Hubert Schardin wollte nach diesem Prinzip ebenfalls eine Luftabwehrrakete entwickeln, deren Theorie später in moderne Luftabwehrraketen eingeflossen ist, wie das sowjetische BUK System (NATO Codename "Gadfly").

Seitdem wird dieser einfache Sprengsatz aber auch überall auf der Welt von Survivalisten und Paramilitärs in unterschiedlichster Qualität nachgebaut. Schwerere Versionen wie die schwedische Frdm-13, die auf demselben Konzept basieren, können sogar Fahrzeuge und Hubschrauber in bis zu 150 Metern Höhe ausknipsen.
 
Selbstgebaute Claymore Mine in Kolumbien

Für Individuen die Freiheit, Leben und Eigentum schützen wollen ist das Claymore Konzept unter einer Vielzahl von Umständen ideal.


Aufbau

Eine Claymore Mine ist kurvenförmig aufgebaut um bei Zündung in Fächerform den Bereich auf den sie gerichtet ist einzustreuen. Die Hülle besteht in der Regel aus Kunstharz. An der Forderseite sind Stahlkugeln in einen Verbundwerkstoff eingelassen hinter dem sich der Sprengstoff befindet. Der Verbundwerkstoff dient dazu, dass keine Zwischenräume zwischen den Kugeln existieren und so die Sprengkraft als Treibladung maximal genutzt werden kann.


Jugoslawische MRUD-2

http://en.wikipedia.org/wiki/File:M18_claymore_US_army_drawing.svg
Ursprüngliches Konzept der M18 Claymore Mine


Eigenbau 
Dieser Absatz dient zu reinen Informationszwecken!!!

Wer sich in einer Survival Situation wieder findet, in der die größte Gefahr für Leib und Leben von zweibeinigen Bedrohungen ausgeht, für den empfiehlt es sich Verteidigungsmaßnahmen zu treffen.
Für einen Survivalist der es geschafft hat sich zu einem sicheren Standort zu begeben oder der seinen bisherigen Standort sichern will, für den sind Claymore Minen ideal, da er nicht selbst permanent Wache halten und alles absichern kann.

Zutaten für die Herstellung von Claymore Minen sind zwar zu bekommen, eventuell muss man aber etwas danach suchen. Bei allen beschriebenen Zutaten wird vom Idealfall ausgegangen um die militärischen Spezifikationen der M18 Claymore möglichst nah zu rekonstruieren und eine Reichweite von 100 Metern in einem Wirkungsbereich von 60 Grad zu erlangen.


- Kugeln
Als Splitterladung dienen 700 1/4 Zoll (6,35 mm) Stahlkugeln aus ungehärtetem Stahl mit einem Gewicht von um die 0,7 Gramm. Stahlkugeln kleiner als 1/4 Zoll wirken mit einer zu geringen Wahrscheinlichkeit letal, für größere Kugeln wird man eine größere Treibladung benötigen. Kugeln aus gehärtetem Stahl würden zersplittern und die Fragmente hätten nur eine geringe ballistische Leistung. Findet man aber nur Kugeln aus gehärtetem Stahl die dazu noch mehr kosten, so sollte man diese vorher in einem Grill mit Kohle erhitzen bis sie glühen, abkühlen lassen und dann verarbeiten.

Die schwedische Frdm-13 Anti-Fahrzeug Claymore ist mit 1200 dieser Dinger gefüllt. Sie haben eine Länge von 11,5mm auf einem Diameter von 10mm und ein Gewicht von 5 Gramm. Sie sind Pentagonförmig aus demselben Grund wieso runde Kugeln in einen Verbundwerkstoff eingelassen werden müssen.


- Verbundstoff
Als Verbundwerkstoff bietet sich Epoxydharz an, welches in Deutschland auch von der US Firma Devcon zu erhalten ist. Im Idealfall findet man Devcon Plastic Steel Liquid (B), ein stahlgefülltes, gießbares Epoxidharz zur Herstellung von Gießformen. Momentan ist es in Deutschland allerdings nur vom Großhändler mit Gewerbeschein zu bekommen, da es auf dem Verbrauchermarkt eine zu geringe Nachfrage gibt, obwohl diese Verbundwerkstoffe vielseitig Einsetzbar und für alle Arten von Reparaturen zu verwenden sind.

- Form
Als nächstes benötigt man eine gebogene Unterlage in der Form, den der Claymore Sprengsatz später haben soll. Die Ladung muss nach Original auf einer Fläche von 10,1cm auf 20,3cm angebracht werden.
Am einfachsten bietet sich hier eine Scheibe Plexiglas an, die man mit Hilfe einer Schraubzwinge zu Recht biegt und dabei, in der Schraubzwinge, erhitzt, so dass diese in Form bleibt. Entweder mit einem Bunsenbrenner, über offenem Feuer oder mit dem Heißluftfön. Dies muss man nur einmal machen und kann diese Unterlage dann immer wieder verwenden.

Dann benötigt man beidseitig klebendes Klebeband um die Kugeln auf dieser Form zu platzieren. Die Kugeln sollten wirklich so nah beieinander wie möglich angeordnet werden.


Anschließend gibt man den Verbundwerkstoff darüber und lässt ihn aushärten. Man sollte darauf achten, dass keine Luftkammern entstehen irgendwo zwischen den Kugeln. Wenn sich irgendwo Blasen bilden, ruhig mit dem Zahnstocher reinpicken.


So sieht das ganze in einer kommerziellen Claymore Mine aus. Man beachte die beiden Sprengkapseln an der Oberseite. Hier befinden sich die Sprengkapseln bereits in der Claymore und man muss noch einen Drahtkontakt einschrauben. Bei den ersten Entwürfen der Claymore wurde die Zündkapsel noch an der Seite eingesetzt.

Ist der Verbundwerkstoff ausgehärtet kann man ihn mit samt den Kugeln von dem Plexiglas entfernen und das Klebeband entfernen.


- Treibladung
Der nächste Schritt ist einen brauchbaren Sprengstoff als Treibladung zu finden. Kommerzielle Claymore Minen verwenden 1,6 Pfund C4 Sprengstoff, ungefähr 0,73 Kilogramm, und werden mit einer elektronischen M6 Sprengkapsel gezündet.

Wenn der Survivalist kein selbstgemachtes C4 zur Verfügung hat, muss er nach einem alternativen Sekundärsprengstoff suchen. Für diese Konstruktion einer Claymore benötigt man einen Sprengstoff mit mindestens 21.000 fps (feet per Second) bzw. 6400 m/s (Metern pro Sekunde). Kommerzielles C4 hat eine Detonationsgeschwindigkeit mit 26,400 fps und unterscheidet sich hier schon stark von anderen Sprengstoffen.

Als Alternative bietet sich bspw. ANNMSA Sprengstoff an, eine Mischung aus 45% Ammoniumnitrat, 32% Nitromethan und 22,5% 98%iger Schwefelsäure. Also relativ einfach herzustellen. Die Detonationsgeschwindigkeit von ANNMSA entspricht mit 8100 m/s auch den Mindestansprüchen.

Auch kommerzielles "Hi-Drive" Dynamit kann verwendet werden, wie es im Zivilbereich bei Abbruchfirmen und in Steinbrüchen verwendet wird.
Ein Onkel von mir hat in den fünfziger Jahren noch als Teenager selbst Sprengladungen in einem Kalksteinbruch verlegt. Er war nicht dazu "berechtigt" und hat am Ende auch zuviel von dem Zeug genommen, dass im Nachbarort die Scheiben gewackelt haben. Aber damals war ja noch nicht jeder so ein verdammtes Verbots-Arschloch und viele dieser Bevormundungs-Wichser sind in Nürnberg ein paar Jahre zuvor am Galgen gelandet. Dauert eine Weile bis sowas wieder nachwächst.
Ziviles Dynamit wird in Prozentangaben von 60% und 80% gehandelt, für eine Claymore kommt nur das 80%ige in Frage, da es mit einer Brisanz zwischen 21.000 und 22.000 fps zündet.

Anschließend muss den Sekundärsprengstoff hinter der ausgehärteten Form von Kugeln und Verbundwerkstoff anbringen, dazwischen aber eine Lage Aluminiumfolie anbringen. Kommerzielles Dynamit wird beispielsweise in Stangen gefertigt, die sich unter Wärmeeinwirkung etwas verbiegen und entsprechend formen lassen. Hat man C-4 geht das ganze etwas einfacher, da man dies auch in Plastikfolie packen, problemlos erhitzen und so an die Form der Ladung schmelzen kann. C-4 explodiert übrigens nicht wenn man es anzündet, es verbrennt nur.

Zusätzlich sollte eine Stahlplatte hinter der Treibladung angebracht werden, damit möglichst viel der Explosionsenergie nach vorne geht.


- Zündkapsel
Wenn man Zündkapseln selbst anfertigen muss weil kommerzielle Modelle in einer Survival Situation nicht mehr zur Verfügung stehen, so muss man diese improvisieren.

Als Hülle bieten sich kleine Kupfer- oder Aluminiumröhren an, die man auf entsprechende Maße zu Recht schneidet, wobei eine Länge von 6,5cm ausreicht. Dazu empfiehlt es sich bei manchen Mischungen zusätzlich einen Plastikstrohhalm einzuführen zwischen Primärladung und Hülle, da manche Ladungen mit dem Metal reagieren können. Bei Ammonpulver ist dies aber kein Problem.

Eine Alternative zu Ammonpulver ist eine Mischung aus 1/8 Hexamine/Urotropin bzw. zermahlenen Espit Trockenbrennstoff, 3/8 Citronensäure und 4/8 Wasserstoffperoxid, was anschließend in einem verschraubbarem Glas vermischt und durch einen Kaffeefilter wieder gefiltert und anschließend getrocknet wird. Genau wie Schwarzpulver sollte es vorher der Verwendung komplett austrocknen.

Espit Trockenbrennstoff wie er bspw. bei der Bundeswehr ausgegeben wird sollte der Surivalist sowieso haben. Citronensäure gibt es im Supermarkt und wird zum Putzen verwendet. Wasserstoffperoxid gibt es in Aquaristik-Fachhandel und wird genutzt um den pH Wert im Wasser zu senken. Der kluge Survivalist würde dann gleich noch Natriumcarbonat kaufen, was den pH Wert steigert und eine Komponente für RDX bzw. Hexogen ist.

Als elektronische Zündung reicht eine kleine Glühbirne aus einer Taschenlampe, wie sie bei Bundeswehr Taschenlampen als Ersatz enthalten sind. Diese wird vorsichtig an der Oberseite angeschliffen, mit einem Pulver im unteren fps-Bereich, wie bspw. Schwarzpulver oder Ammonpulver, befüllt, mit Wachs wieder versiegelt und am unteren Ende eingelassen. Zwei Drähte stellen einen Kontakt zur Glühbirne her um diese zu Zünden, die Sprengkapsel muss dann versiegelt oder zugepresst werden.

Eigenbau Richtminen gefunden beim Vietcong

Man kann anstelle von Glühbirnen aber auch auf kommerzielle Zündkapseln und Brückenzünder zurückgreifen, wie sie auch für Silvesterfeuerwerk verwendet werden. Diese verwenden in der Regel eine Batterieladung von 6 Volt. Als Batterie wären 3 Volt bereits ausreichend.

Sprengkapseln sind aber selbst noch mal ein ganz eigenes Thema und nur zu Informationszwecken über die Improvisierung von Sprengkapseln, kann man bspw. das US Army Technical Manual 31-200-1 Chapter 10 nachschlagen. Man findet es in virtueller Form als PDF auf der offiziellen Website der Army für Veröffentlichungen armypubs.army.mil . Das Buch Guerrilla's Arsenal: Advanced Techniques For Making Explosives And Time-Delay Bombs von David Harber bietet hier ebenso Möglichkeiten wie Ragnar Benson's Homemade Detonators.
Und wo wir schon bei Amazon sind, hier ist noch ein Link für kommerzielles Nano Thermit in Deutschland, elektronische Zünder und Crackpfeifen. Schönes Wochenende!


- Hülle

Zuletzt wird die Sprengkapsel eingesetzt und alles mit Panzertape umwickelt. Beine können aus Metal oder aus Holz angebracht werden, oder man befestigt ein Gewinde um die Claymore auf unterschiedlichen Gestellen aufschrauben zu können. Es wäre dazu ratsam die Mine in matter Tarnfarbe anzusprühen und zu beschriften.


- Auslöser

Sofern der Survivalist es sich mit sich selbst vereinbaren kann, dass nicht nur in Footballrüstungen gekleidete Raider, Plünderer und andere Feinde von diesen stillen Wächtern konfrontiert werden könnten, kann er auch Selbstauslöser und Fallen auslegen. Nach der Ottawa Konvention gegen Landminen macht dies auch den Unterschied, ob eine Claymore nach Definition eine Mine, oder ein manuell ausgelöster Sprengsatz ist. Wird Sie vom Opfer betätigt ist es eine Mine, wird Sie ferngezündet ist es keine Mine.

Um die Claymore manuell auszulösen reicht es die Drähte der Zündkapsel einfach an bspw. eine Blockbatterie anzuschließen. Man kann aber auch aus Bundeswehr Taschenlampen Auslöser improvisieren, die auf Knopfdruck funktionieren und sich dazu auch sichern lassen.

Improvisierte Claymore Mine im Konzept, US Army FM 5-31

Hier also ein paar Möglichkeiten wie Selbstauslöser aussehen könnten.

Mit einer Mausefalle die einen Bügel aus Kupfer besitzt lässt sich ein Auslöser improvisieren, der auf Zug reagiert bzw. durch einen Stolperdraht ausgelöst wird.

Ein solcher Auslöser reagiert auf Druck und wird ausgelöst indem bspw. jemand drauf steigt oder setzt.


Bei diesem Auslöser werden die Kontaktdrähte um eine Wäscheklammer gewickelt und durch ein nichtleitendes Material voneinander getrennt. Wird dieses entfernt, wird die Claymore ausgelöst.

Dies bietet sich besonders beim verminen von Türen an, wenn man mit einer Bug-out Situation konfrontiert ist und den Standort verlassen muss. Ein verminter Standort wird Angreifer entweder töten, in die Flucht schlagen, das eigene Eigentum schützen oder zumindest verlangsamen, dass man so selbst mehr Zeit gewinnt. Die Claymore muss dazu nicht zwingend auf derselben Seite der Tür plaziert werden wie der Auslöser. Hat man bspw. einen Hausgang, so kann sich die Claymore so verstecken lassen, dass sie den ganzen Gang leer fegt, wenn von dort Jemand die Tür öffnen will. Bei dünneren Wänden kann man sie auch so platzieren, dass Angreifer, die eventuell in einer Gruppe versuchen werden in Breaching Formation einen Raum zu stürmen, durch die Wand hindurch von den Stahlkugeln zerrissen werden.

Es kann auch mit kommerziellen oder improvisierten Lichtschranken gearbeitet werden, wie sie heute für rund 50 Euro zum Schutz vor Einbrechern verkauft werden. Dies ist besonders nützlich, wenn man bspw. Claymore Minen an Straßen gegen russische Militärkonvois verlegen will um eine Daisy Chain Kettenreaktion auszulösen, die aus ihren UAZs und Lastwagen Schweizer Käse macht und jeden Wichser der auf einem BMP sitzt abrasiert.


Claymore Minen müssen dafür nicht unbedingt am Boden platziert werden, sie können auch an Bäumen befestigt werden.



 This is Ivan!


Siehe auch:

Achtung Panzer!
Ragnar Benson - Homemade Claymore Mines
US Army Technical Manual 31-200-1
US Army Field Manual 5-31 Booby Traps 
Guerrilla's Arsenal



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen